in der schule weinen

heute habe ich in der schule geweint. IN DER PAUSE immerhin. so lange haben meine nerven noch diese unglaubliche kunst-vertretungsstunde durchgehalten. eigentlich sollten schneeflockenketten (scherenschnitttechnik) hergestellt werden. erstaunlicherweise gab es sogar viele produkt-ergebnisse, obwohl der unterricht mittendrin durch eine riesenprügelei unterbrochen war und von 13425786970391 weiteren ’störungen‘ begleitet wurde. folgendes hat sich ereignet:

ertsmal war der einstieg schon scheiße, weil die kinder kleckerweise irgendwoanders her kamen. dann war auch die anleitung zum schneeflockenkettenbasteln scheiße, weil es nicht genügend schablonen zum vorzeichnen gab und die kinder gelangweilt warten mussten, was sie verständlicherweise durch lärmende interaktionen, rumlaufen, quatschen, brüllen… zu kompensieren versuchten und ich immer dagegen anzugehen versuchte. in diese allgemein schon scheißig angelaufene beknackte kunstvertretungsstunde brach dann der totale hulk herein:

die tür ging auf und ein mitschüler stürmte auf einen anderen mitschüler los riss ihn zu boden. würgen, prügeln, kloppen, rangeln. tische flogen um, schulzeug landete auf dem boden, alle mitschüler in heller aufregung. einige intervenierten wie ich  um das gerangel aufzulösen, dabei wurde aber erstmal weiter geprügelt und andere feuerten das spektakel durch zurufe noch an. schließlich habe ich den schüler der in totaler raserei die prügelei begonnen hat in eine andere klasse geschickt und vollkommen fassungslos versucht mit dem unterricht fortzufahren. nach zahlreichen weiteren ’störungen‘ war ich so außer mir, vollkommen hilflos und aufgebracht und brüllend wie ein aufgelöster giftzwerg und nichts wurde besser und alles war beschissen und dann noch die kommentare von den oberkrassen rabauken: ‚frau lehrerin, sie sind ja total rot!‘ in dreimaliger wiederholung. und als die stunde dann vorbei war und ich zwischen zahlreichen schneeflockenketten am  schreibtisch im leeren klassenraum saß und die lehrerin, die den prügelnden schüler für diese stunde aufgenommen hatte, reinkam und fragte, was denn los gewesen sei, da flossen dann meine tränen und mein gesicht brannte vor roten flecken und die nächste kunststunde habe ich auf anraten meiner anleitenden kunstlehrerin, die dann, nach beendetem vorlesewettbewerb, wieder da war, frei gemacht, um nicht auch noch so von den schülern gesehen zu werden.

bis jetzt ist also nichts geklärt. ich weiß überhaupt nicht was da wieso passiert ist und was da jetzt als konsequenz passieren muss.

zu weihnachten wünsche ich mir: mehr professionalität. und die tausche ich dann gegen diese überflüssige authentizität von der ich heute ohne frage zu viel hatte und die niemandem irgendwie geholfen hat. in der schule heulen ist voll uncool und bringt null (außer eine freistunde).

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12 Antworten zu in der schule weinen

  1. henne schreibt:

    ohje.
    das ist natürlich nicht schön. überhaupt nicht schön.
    ein bisschen zu viel von allem.
    aber. das große aber.
    es macht dich unglaublich menschlich.
    jeder anfang ist schwer. klar.
    und jeder muss dazu lernen. auch klar.
    aber wie sagt man so schön:
    was einen nicht umbringt, macht einen stark.
    vorteil solcher erlebnisse ist ja, dass man sich im kopf einen lösungsweg bauen kann.
    um die nächste situation besser zu meistern.

    dat wird!
    bestimmt.

  2. Katharina schreibt:

    oh man, harter Tag! So fühl ich mich als Mama auch manchmal, ehrlich.
    Ich finde es mutig, dass Du uns das erzählst, und das macht Dich wirklich authentisch, auf eine wunderschöne Weise. Und sowieso, authentisch sein find ich gut.
    Hast Du Dich geschämt, weil Du die Situation nicht im Griff hattest? Kann ich nur zu gut verstehen. Ich finde richtig, was henne geschrieben hat – so hart gepflastert ist manchmal der Weg des Lernens. Du bist genau richtig so wie Du bist und das nächste Mal dann vielleicht schon ein bißchen vorbereiteter…
    Starke Bilder auch!

    Einen erholsamen Abend wünsch ich dir!
    Katharina

  3. Ewa schreibt:

    JANINA! Ich liebe diesen Artikel. Aus jeder Scheiße kann was Gutes entstehen und auch Du musst wohl voll durch da. Herrje, wie sehr ich Dir nachempfinden kann. Vor allem kann man ja nicht mal diesen frechen Schüler sagen: Ich bin rot? Und Du häßlich!

    Tapfer weiter machen. Bis meine Kids in Deine Schule kommen, wirst Du darüber lachen können oder zumindest wissen, wie man sowas mit nem Schnipps klärt.

    Halt durch Frau Scheidmann!

    PS: wann schreibst du mal was über freche Schüler, die deinen Namen absichtlich falsch aussprechn ; )))

  4. doro schreibt:

    freistunde ist gut. rest ist anstrengend, oh man.

    ich als lehrer wäre eine totalkatastrophe, weil ich den ganzen blödsinn wahrscheinlich einfach mitmachen würde, der einfachheit halber… dann würden die mich rausschmeissen, vermutlich…

  5. Sina schreibt:

    Hey Liebes,
    es wurde schon so viel Gutes geschrieben! Ich finde auch – so überflüssig und grenzwertig die Erfahrung ist – hast du jetzt einen Ansatzpunkt, über den du nachdenken kannst.
    Verlass die Reaktions-Haltung und wechsle hinein in die Aktions-Haltung: Kaufe dir eine Trillerpfeife in fluoreszierendem Warn-Pink (stets sichtbar als Warn- und Identifikationszeichen, denn Frau Scheidmann gibt den Ton an und weiß sich zu helfen), werfe einen nassen Schwamm auf die stark aufmerksamkeitsbindenden Schüler_innen, sammle Schnee vom Fensterbrett und seife sie ein … Ein Schüler_in geht ins Sekki und gibt Bescheid/holt Hilfe. Finde und schaffe dir Verbündete!

    Genieß heute den vierten Advent und erhol dich schön.

    Alles Liebe und bis bald,
    Sina

  6. kunstlehrerin schreibt:

    vielen dank für all die netten kommentare. hab freitag abend noch mit der klassenlehrerin telefoniert und die prügelknaben-eltern wurden dann von ihr am samstag angerufen (hatte sie so vor) und morgen gibts dann noch nen schüler-klassenlehrerin-gespräch… aber ob das zur einsicht führt???

  7. Shannon schreibt:

    In der Schule zu weinen ist gar nicht so uncool. Man muss nur aufpassen, wo man es macht.
    Unsere Referendare sitzen immer in der Lehrergarderobe, das ist ganz gut, weil man schon weiß, was los ist, wenn dort die Tür zu ist. Und von dort aus ist dann auch alles ganz gut zu regeln…

  8. phoenics schreibt:

    Wie alt sind denn deine Schüler? Klingt, als seien sie noch recht jung.
    Mach dir nichts aus solchen blöden Situationen, es gibt auch wieder schöne Momente mit Schülern. Zudem kann man aus jedem „Scheiß“ auch was lernen.
    Wie heißt das Sprichwort: Auch aus Mist kann man etwas schönes bauen!
    Also Kopf hoch!
    Ich drück dir die Daumen, dass die Zeiten sich bessern🙂

  9. chilitime schreibt:

    Weinen in der Schule: Mir ging es mal wegen privaten Kummers gar nicht gut – und dann waren auf einmal die großen Mädels um mich rum und haben mich getröstet – du wirst es vielleicht auch mal eben andersherum erleben, auch ein gutes Gefühl – ja und die „lieben“ Kleinen können gerade zu Anfang einem echt das Gruseln beibringen – und die schlagfertigen, kindgerechten Antworten fallen einem erst hinterher ein…

  10. lorenz schreibt:

    ich hoffe dass sie nicht zu professionell werden. nach dem was ich hier im blog sehen kann sind sie eine tolle lehrerin, solchen kunstunterricht hätte ich mir früher gewünscht.
    in punkto herzlichkeit & wärme kann da keiner meiner ehemaligen kunstlehrer mithalten…..und die waren alle professionell bis zum geht nicht mehr.
    schliesslich sollte es bei der kunst doch auch um menschlichkeit gehen, oder?

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