was macht der tote mann am kühlschrank?

freitag (also vorvorgestern) habe ich mit ‚meinen‘ kunstschülerinnen und schülern die erste exkursion in die gemäldegalerie berlin unternommen, um uns dort vor allem dem ausführlichen genuss von lucas cranachs ‚jüngstem gericht‘, welches dieser von hieronymus boschs ‚jüngstem gericht‘ abgemalt hat, zu widmen.

ausschnitte aus boschs ‚jüngstem gericht‘ von 1505

 

die kinder sind total offen und unbefangen auf das gemälde eingegangen. angezogen und abgestoßen von faszination und abneigung zu gleich. am aller ekeligsten fanden sie dabei jedoch meistens die ’nakichen‘ (wie sie auf einem auswertungsbogen schriftlich vermerkten).

besonders bemerkenswert fand ich die kritische frage einer sehr aufgeweckten und relativ fülligen schülerin, was denn der tote mann am rosa kühlschrank macht… (oberer ausschnitt). wir konnten keine wirklich befriedigende antwort finden. auch der einwand meinerseits, dass es sich nicht um einen kühlschrank handeln kann, da es 1505 noch keinen strom gab, hat uns einer aufklärung dieser überaus denkwürdigen frage nicht näher gebracht. zumindest hat diese schülerin, wie es mir scheint einen sehr persönlichen zugang zu diesem bild gefunden. ganz im sinne meiner auffassung einer produktiven kunstbetrachtung.

die anderen auslegungen waren da schon häufig naheliegender und offensichtlicher: ‚krieg der welten‘, ‚krieg der monster gegen die menschen’…

am stressigsten war unser besuch bestimmt für die museumsaufseherin, die ‚meine‘ lebhaften schülerinnen und schüler mehrmals streng und entnervt ermahnten nicht zu nahe an die bilder zu gehen. als dann aber ein scheinbar sehr wohlerzogenes junges mädchen mit ihrer belehrenden mutter bei der betrachtung von cranachs ‚jungbrunnen‘ direkt neben uns den alarm auslöste, weil sie fast mit ihrem ellenbogen im bild steckte, empfand ich das als eine ungemein genugtuung und war geradezu stolz auf meine neuköllner rabauken, die sich wiederum fast zu tode erschreckten vor dem schrillen ton und sich ersteinmal auf die bank setzen mussten um sich wieder zu sammeln.

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7 Antworten zu was macht der tote mann am kühlschrank?

  1. Sina schreibt:

    Danke für den Bericht.

    Ach, wie schön, dass die Kiddies Interesse haben. Dort hängen auch einfach überzeugende Bilder!
    Wenn du möchtest: Gibst es noch genauere Ausführungen zu der Zeit (wie lange vor dem Bild, wie lange die Rallye, wie lange der gesamte Aufenthalt) und den Fragestellungen, die du den Kiddies für die Rallye mitgegeben hast?

    Alles Liebe

    • kunstlehrerin schreibt:

      den ralley-bogen geb ich dir gerne mal. das waren auch fragen zum fußboden, zur wandfarbe und zu den aufgabe von museumsaufsehern und natürlich auch zu den gemälden (hast du ein bild gefunden das du besonders magst? wer ist der dickste mann in der gemäldegalerien?…) wir konnten die gruppe ja teilen, da wir zu zweit waren und aheb immer ca 45 minuten bearbeitung von bildbetrachtung oder ralley gemacht, dann etwa 15 minuten gebraucht um uns zu sammeln und dann die aufgaben getauscht.
      insgesammt waren wir von 10.45 uhr bis 12.30 in der gemäldegalerie.

  2. andrea schreibt:

    I love reading you. Understanding your blog makes me happy (even if it takes work! my German’s rusty as hell) and it’s so interesting!

  3. Roboti schreibt:

    „Toter Mann am Kühlschrank“ – ich liebe diese Auslegung!
    Schön, dass du uns auf unserem Blog besucht hast!

  4. Clara schreibt:

    Das ist so schön deinen Blog zu lesen!
    Ich studiere im Moment ebenfalls Lehramt (Deutsch/Bio/Deutsch als Fremdsprache) und freue mich sehr auf den Beruf.
    Trotzdem erschreckend wie viele Lehrer (zumindest die, die ich in Praktika kennen lernen durfte) negativ von ihrem Beruf sprechen.
    Schön, dass du ein positives Beispiel bist!
    Liebe Grüße
    Clara

  5. Frau Lolle schreibt:

    Ach, Lehrerblogs finde ich immer wieder köstlich!🙂
    Bin ja selber Pädagogin, allerdings in einer Musikschule (aber auch in Grund- und Gesamtschule unterwegs…).

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